03
Okt
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Veranstaltungen: Tübingen, Darmstadt

zwei neue Veranstaltungen stehen an:

Donnerstag 20.10. im Epplehaus Tübingen: Vortrag: National Socialist Hardcore. Strukturen, Inhalte, AkteurInnen. Veranstaltung der Gruppe INPUT im Rahmen der Veranstaltungsreihe „FUCK THE GREYAREA! Initiative gegen diskriminierende Scheiße in (linken/alternativen) Subkulturen.“

Dienstag, 25.10. u, 20 Uhr im ZUCKER in Darmstadt: Vortrag: National Socialist Hardcore. Strukturen, Inhalte, AkteurInnen. In Zusammenarbeit mit der Gruppe red.redical Darmstadt. Hier der Ankündigungstext der Gruppe samt Flyer:
„Der Referent veranschaulicht in seinem Vortrag anhand von Musik- und Filmbeiträgen den Versuch von Neo-Nazis, die Hardcore-Szene zu unterwandern.
Im Anschluß gibt es die Gelegenheit, über mögliche Gegenmaßnahmen zu diskutieren bzw. diese zu erörtern.

„NS-Hardcore“ (von Nazis und Medien irrigerweise auch Hatecore genannt) wird als eine „musikalisch wie textlich brachiale Interpretation des Hardcore“ definiert. Namensgeber des „Hatecore“ ist die links-alternative amerikanische Band „SFA“, die 1990 den Begriff „Hatecore“ erstmals auf der Rückseite ihres Debütalbums „The New Morality“ nutzt. „Hate“ war abgeleitet von den wütenden, verbalen Angriffen der Musiker auf die sozialen Missstände der USA. Knapp 15 Jahre nach dem Entstehen der Hardcore-Bewegung sind es rechtsgerichtete Musiker in den USA, die in der Musikrichtung eine Chance zum Transport ihrer extremen politischen Inhalte sehen. Rechter Trendsetter war bereits Mitte der achtziger Jahre die New Yorker Hardcore-Band Youth Defense League (YDL). Im Blood & Honour-Magazin Winter 1987 präsentierte sich YDL als „pro-American, Nationalist, anti-Communist Band“.

Beerbt wird die Youth Defense League von Gruppen wie den Blue Eyed Devils, oder Intimidation One, die sich innerhalb des Hardcore dem Subgenre des „NS-Hardcore“/Hatecore zurechnen. Ihre Gastauftritte in Europa in den Neunziger Jahren sorgen auch in Deutschland für eine stetige Etablierung des Stils. Die Präsentation ihrer CDs entspricht dem gängigen Klischee der damaligen Tonträger aus dem rechten Bereich. Auf dem Booklet der CD „Retribution“ der Blue Eyed Devils prangen Symbole des Nationalsozialismus und ein Foto von Adolf Hitler. Im Jahr 2005 wurde die CD indiziert. In der Entscheidung heißt es, dass nach Vorstellung der Lied-Autoren „Arier“ die Welt regieren müssten. Dagegen sollten „alle nicht-weißen Menschen, insbesondere wird hierbei auf ‚Juden‘ verwiesen, die, genau wie alle Andersdenkenden, als Abschaum (‚Scum‘) bzw. ‚Pestilenz‘ (‚pestilence’) diffamiert werden, besser vernichtet werden.“ Im dritten Lied wird beispielsweise unumwunden ein neuer Genozid an Juden propagiert: „Ich werde für meine Rasse und Nation kämpfen. Sieg Heil ! (…) Als Soldat für diese Sache habe ich mein ganzes Leben dafür hingegeben, mein Land und unsere Kultur von dieser jüdischen Misere zu säubern.“

Im siebten Song besingen die Blue Eyed Devils die blindwütige Vernichtung Andersdenkender: „Zerstöre die Pest, die ich gesehen habe. Lasse meinen Aggressionen freien Lauf und handele nach meinem eigenen Willen. Mir wird klar, dass ich die Wahl habe, zu töten. Zerstöre das Leben eines Politikers und ermorde diesen Abschaum.“

Wie bei vielen „NS Hardcore“-Bands der ersten Stunde stehen die Inhalte den neonazistischen Skinhead-Bands um nichts nach. „In“ ist in der Szene der Neunziger, wer provoziert – Markenzeichen ist nicht musikalische Qualität oder hintergründige Gesellschaftskritik, sondern dumpfe Agitation. Hakenkreuze und SS-Symbolik, unverhohlener Antisemitismus und wütender Ausländerhass sichern einen großen Rückhalt in der Fan-Gemeinde. Auch optisch gibt es keinen großen Unterschied zu den herkömmlichen Nazi-Bands, mit denen die Hardcore-Musiker im letzten Jahrzehnt noch gemeinsam auftreten. Darüber hinaus waren nicht wenige Trendsetter des rechten Hardcore auch eingebunden in neonazistische Skinhead-Netzwerke.

Seit den Anfängen hat sich in den letzten zehn Jahren in Deutschland eine regelrechte Szene von Musikgruppen aus dem „NS-Hardcore“ entwickelt. Mit Konzerten, eigenständigen Vertrieben und Fanstrukturen gehört sie heute zu den bedeutsamsten Rekrutierungsfeldern des Rechtsextremismus. Dagegen wird die Skinheadbewegung inzwischen mit ihren Bomberjacken, Springerstiefeln und Glatzen selbst auf Events der rechten Szene als eher skurrile Randgruppe von vielen belächelt. Im Gegensatz zur Nazi-Skinheadszene sind Outfit und Rhythmen des „NS-Hardcore“ zeitgemäß. Die Unterschiede zu den eher brachial auftretenden Nazi-Skins offenbaren sich unter anderem in der Kleidung. Die bunten T-Shirts der „NS-Hardcore“-Bands zeigen lodernde Flammenmuster, Billardkugeln und Graffiti-ähnliche Schriftzüge. Statt schwerer martialischer Stiefel tragen rechte Hardcore-„Fans“ modische Turnschuhe, statt der kahlgeschorenen Köpfe ist das Hardcore-Outfit auf den ersten Blick nicht von dem der echten Hardcore-Scene zu unterscheiden. Dazu kommen trendige Jacken von „NS-Hardcore“-Labels wie Hate-Hate (neben scheinbar unpolitischen Klamotten werden hier auch T-Shirts mit der Aufschrift „White Power 88“ angeboten und vertrieben). Und auch die Covergestaltung vieler deutscher Bands wie Eternal Bleeding (Altenburg), Hope for the weak (Dresden) oder Path of Resistance (Rostock) „bricht mit dem bisherigen Standard des RechtsRock“.

Auf ihren bunten CD-Covern finden sich vermehrt Elemente des Punk und des HipHop und selbst die in der Neonazi-Szene verpönten Graffitis dienen den rechten „Hardcorebands“ zur Gestaltung der Booklets. Eine rasante Entwicklung am äußersten rechten Rand, die selbst zahlreiche Szenemitglieder wie den Herausgeber des Scene-Heftchen „Foier Frei“ überrollt: „(…) Jeder kann sich meinetwegen so anziehen wie er lustig ist (…) Metaller, Hardcore, Hooligan. (…) Wenn man aber auf Gigs als Sharp bekoffert wird (…) oder als Zurückgebliebener betitelt wird, weil man heutzutage noch als Skinhead auftritt, dann ist es schon weit böse. Für die nationale Sache ist Skinhead heute sicherlich nicht mehr von so großer Bedeutung, für mich persönlich aber schon.“ Selbstbewusst dagegen präsentieren sich die neuen Hatecorebands. So erklärt Moshpit: „(…) wer bei der Bevölkerung ankommt, gewinnt und auf Personen, welche ein Problem damit haben scheißen wir. Spiel, Satz und Sieg!“…’Der Hass, welcher in uns kocht, braucht keinen Namen.“

Und während so manche Naziglatze den Neunzigern nachweint, als seine Bewegung die jugendsubkulturelle rechte Szene dominierte, entstehen im thüringischen Altenburg heute regelrechte neo-nationalsozialistische „NS-Hardcore“-Strukturen. Bands wie Moshpit, Eternal Bleeding und Brainwash stehen für bundesweit bekannte und gefragte Bands des Hardcore in Deutschland. Auf rechten Webseiten werden die Thüringer Gruppen gemeinsam mit Path of Resistance als die „Creme de la Creme des deutschen NS Hardcore“ gefeiert. Die inhaltlichen Aussagen der Gruppe zeigen, dass die Radikalität des Musikstils weit mehr als ein radikales Image ist. Auch in Szene- Interviews wird deutlich, dass die Bandmitglieder die politischen Botschaften und Kampfansagen aus ihren Stücken ernst meinen. Gefragt nach dem politischen System antwortet Brainwash einem einschlägigen Internetmagazin: „Es muss als erstes ein völlig neues System her. In der jetzigen Gesellschaftsform ist ein artgerechtes Bestehen nicht möglich. Die Macht des Geldes muss gebrochen werden und eine auf nationalen Pfeilern gefestigte Volksgemeinschaft geschaffen werden. Von Demokratie halte ich nicht allzu viel, da bis zum heutigen Tage dieser Begriff nur dazu diente der Unterdrückung einen Namen zu geben.“ Die Einstellungen der Altenburger Hatecore-Bands zeigt sich auch unverhohlen in Aussagen der Gruppe Moshpit: „Unsere Hoffnung kann nur sein, dass dieses System zusammenbricht, was nicht mal solange mehr dauern muss, ein völlig korrupter Staat welcher in Billionenhöhe verschuldet ist und keine Verbindung zu seinem Volk mehr hat, kann nicht ewig bestehen. (…) unsere Aufgabe besteht uns körperlich und geistig für den Tag X vorzubereiten, damit dann eine gesunde, gut geschulte Jugend das Ruder übernehmen und ein neues Vaterland errichten kann.“

Mit verblüffender Offenheit bekennt dann auch Moshpit im Interview mit einem Fanzine unumwunden: „We play NS-Hardcore“. Damit wird klar: Zwar ist die Verpackung zeitgemäß – doch das Ziel des kulturellen Engagements ist nach wie vor die Überwindung des Systems im nationalsozialistischen Sinne. Und worum es den meisten der „NS-Hardcore“-Musikern wirklich geht, bringt auch ein Musiker der deutschen NSHC-Band Eternal Bleeding in einem Szeneinterview auf den Punkt: „Die musikalische Entwicklung ist mehr als positiv zu betrachten, unsere Musik ist im Allgemeinen viel professioneller und vielschichtiger geworden, was auch verdammt wichtig für die weitere Entwicklung der Bewegung/Szene ist. Ein viel breiteres Spektrum kann so angesprochen werden! (…) Bei mir gibt es in der Musik sowieso keine Toleranzgrenze, von mir aus kann gehört und gemacht werden, was will! Auch gegen ’nationalen Hip Hop’, mit guten Texten vorausgesetzt, hätte ich nichts, ferne würde ich es doch eher befürworten, da es halt ein Jugendtrend ist! Musik ist Musik, nur der Inhalt und die Botschaft zählen, das ist meine Überzeugung!“

In dieselbe Richtung argumentiert auch der Bandleader von Burn Down: „Mir persönlich ist egal, ob jemand lange oder kurze Haare trägt und welchen Kleidungsstil er bevorzugt. Für mich zählt einzig und alleine die Gesinnung und der Wille unsere Sache zum Sieg zu verhelfen!!!“. Damit sind es Szenemusiker selbst, die feststellen, dass es sich beim „NS-Hardcore“ um eine zutiefst politische Subkultur handelt. Lediglich das Outfit passt nicht mehr in die Kategorien, wo die rechte Szene mit martialischem Styling oder verstaubter Uniformierung gleichzusetzen ist. „NS-Hardcore“ dagegen ist modern, was die Einfallstore auch für Mainstreamjugendliche in rechtsgerichtete Ideologien erheblich vergrößert.

Wir setzen den Begriff „NS-Hardcore“ bewußt in Anführungszeichen – denn Hardcore wie wir ihn
verstehen kann niemals „NS“ sein, kann keine rassisitischen und faschistischen Inhalte haben!!

HARDCORE IS MORE THAN MUSIC!!!
mehr infos zu der Kampagne „Hardcore Bleibt Nazi-Frei“ unter
http://redradical.blogsport.de/2011/08/27/hardcore-is-more-than-music/“


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Kontakt unter: nshc*unterstrich*recherche[ätt]gmx.de

Dates

28.7. Haus der Jugend in Pforzheim: Vortrag "Reaktionäre Rebell_innen- National Socialist Hardcore und seine Strukturen in Deutschland."

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